Bundesarbeitsgruppe Stadttauben - Teil C07
C.07: Von der Felsentaube zur Stadttaube
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Nahezu jede Stadt der Welt ist heute von Tauben besiedelt. Selbst in den lebensfeindlichsten Bezirken der Großstädte mit Hochhäusern und enormem Verkehrsaufkommen können die Tauben ihr Leben fristen. Man schätzt zur Zeit ihren Weltbestand auf ca. 500 Millionen Tiere.
Die Tauben haben, wie kaum ein anderes Tier, die gegensätzlichsten Bewertungen durch die Menschen erfahren. Ihre Verwendung als Symbol für Liebe, Frieden, Heiliger Geist, aber auch ihre Bezeichnung als "Ratten der Lüfte" und "fliegender Unrat" zeigt wie konträr die Einstellung der Menschen sein kann und wie subjektiv ihre Sicht des Tieres.
Die Tauben aber sind weder "heilige Vögel" noch "fliegender Unrat", sie sind intelligente, anpassungsfähige Vögel, die nur eines wollen -überleben. Dabei sind sie glücklicherweise sehr erfolgreich.
Stadttauben haben eine jahrhundertelange Evolution im Lebensraum Stadt hinter sich.
Mehrere Möglichkeiten der Entstehung von Stadttaubenpopulationen werden diskutiert, die einander nicht ausschließen sondern ergänzen:
1
Die Entwicklung der ersten Stadttaubenpopulationen liegt wahrscheinlich zeitgleich mit der Domestikation der Felsentaube in Mesopotamien.
Felsentauben nützen die vom frühen Menschen bebauten Felder als Nahrungsquelle, entziehen sich aber seinem Zugriff. Sie nisten zunächst weiterhin in den Felsengrotten der Küste, suchen aber immer häufiger die Nähe der menschlichen Behausungen, ohne sich in Abhängigkeit zu begeben.
Im Laufe der Zeit besiedeln sie die frühen Städte, benützen die Gebäude als Felsenersatz und passen sich mehr und mehr den dortigen Lebensbedingungen an.
2
In Mitteleuropa, wo es keine Felsentauben gibt, bilden sich die frühen Stadttaubenbestände aus halbdomestizierten Feldtauben. Die Römer haben sie ins Land gebracht und genützt und nach dem Zusammenbruch des Römerreiches zurückgelassen. In Klöstern und auf Bauernhöfen bietet man den Tauben Brutmöglichkeiten in Taubenschlägen.
Auf den Feldern versorgen sie sich mit Nahrung. Nur in den Wintermonaten erhalten sie Futter.
Die Menschen nutzen die Tauben zur Bereicherung des Speisezettels.
Immer wieder verlassen die halbdomestizierten Feldtauben freiwillig die Schläge und entweichen der Obhut des Menschen.
Ein Grund dafür ist die Überbelegung der Schläge und der damit verbundene soziale Streß, der vor allem Jungtauben zur Abwanderung veranlaßt. Ein weiterer Grund ist der ursprüngliche Instinkt der Felsentauben nach einem freien und ungebundenen Leben, der sich in bestimmten Tauben regt.
In den Städten finden sie in Dachböden, in Mauernischen und in sonstigen Schlupfwinkeln Nistmöglichkeiten und in und außerhalb der Städte Futter.
Erste Stadttaubenpopulationen bilden sich.
3
In der Folgezeit sorgen immer wieder Kriege, verbunden mit der Zerstörung von Taubenschlägen und auch Taubenhäusern, für das Anwachsen der Stadttaubenpopulation durch heimatlos gewordene Haus-und Rassetauben. Sie verpaaren sich mit den ortsansässigen Tauben und verändern das Erscheinungsbild der Population.
4
Immer wieder erhalten Stadttaubenpopulationen Zuwachs von Haustauben, die durch das Schließen von Schlägen heimatlos geworden sind. Züchter oder deren Erben entlassen ihren Taubenb~stand einfach in die Freiheit.
5
In Gegenden, wo Brieftaubensport betrieben wird , ist der Anteil der Brieftauben im Erscheinungsbild der Stadttauben augenfällig. Durch Überforderung stranden Brieftauben in der Stadt, schließen sich zeitweise oder für immer den Stadttauben an, verpaaren sich und bringen ihre Erbanlagen in die Population ein.
"Stadttauben sind nicht einfach verwilderte Haustauben, sondern haben sich zu einer eigenen Varietät der Columba livia entwickelt."
(D. Haag-Wackernagel: Die Taube, S. 208)
"Jede Stadttaubenpopulation hat ihre eigene Geschichte, und nur die sorgfältige Analyse der Erscheinungsvielfalt der Tiere wie die Analyse von historischem Material erlaubt hier zuverlässige Aussagen"
(D. Haag-Wackernagel: Die Taube , S. 207).
Zur Serie: Vorwort | Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 | Teil 6 | Teil 7 | Teil 8
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Nahezu jede Stadt der Welt ist heute von Tauben besiedelt. Selbst in den lebensfeindlichsten Bezirken der Großstädte mit Hochhäusern und enormem Verkehrsaufkommen können die Tauben ihr Leben fristen. Man schätzt zur Zeit ihren Weltbestand auf ca. 500 Millionen Tiere.
Die Tauben haben, wie kaum ein anderes Tier, die gegensätzlichsten Bewertungen durch die Menschen erfahren. Ihre Verwendung als Symbol für Liebe, Frieden, Heiliger Geist, aber auch ihre Bezeichnung als "Ratten der Lüfte" und "fliegender Unrat" zeigt wie konträr die Einstellung der Menschen sein kann und wie subjektiv ihre Sicht des Tieres.
Die Tauben aber sind weder "heilige Vögel" noch "fliegender Unrat", sie sind intelligente, anpassungsfähige Vögel, die nur eines wollen -überleben. Dabei sind sie glücklicherweise sehr erfolgreich.
Stadttauben haben eine jahrhundertelange Evolution im Lebensraum Stadt hinter sich.
Mehrere Möglichkeiten der Entstehung von Stadttaubenpopulationen werden diskutiert, die einander nicht ausschließen sondern ergänzen:
1
Felsentauben nützen die vom frühen Menschen bebauten Felder als Nahrungsquelle, entziehen sich aber seinem Zugriff. Sie nisten zunächst weiterhin in den Felsengrotten der Küste, suchen aber immer häufiger die Nähe der menschlichen Behausungen, ohne sich in Abhängigkeit zu begeben.
Im Laufe der Zeit besiedeln sie die frühen Städte, benützen die Gebäude als Felsenersatz und passen sich mehr und mehr den dortigen Lebensbedingungen an.
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Auf den Feldern versorgen sie sich mit Nahrung. Nur in den Wintermonaten erhalten sie Futter.
Die Menschen nutzen die Tauben zur Bereicherung des Speisezettels.
Immer wieder verlassen die halbdomestizierten Feldtauben freiwillig die Schläge und entweichen der Obhut des Menschen.
Ein Grund dafür ist die Überbelegung der Schläge und der damit verbundene soziale Streß, der vor allem Jungtauben zur Abwanderung veranlaßt. Ein weiterer Grund ist der ursprüngliche Instinkt der Felsentauben nach einem freien und ungebundenen Leben, der sich in bestimmten Tauben regt.
In den Städten finden sie in Dachböden, in Mauernischen und in sonstigen Schlupfwinkeln Nistmöglichkeiten und in und außerhalb der Städte Futter.
Erste Stadttaubenpopulationen bilden sich.
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"Stadttauben sind nicht einfach verwilderte Haustauben, sondern haben sich zu einer eigenen Varietät der Columba livia entwickelt."
(D. Haag-Wackernagel: Die Taube, S. 208)
"Jede Stadttaubenpopulation hat ihre eigene Geschichte, und nur die sorgfältige Analyse der Erscheinungsvielfalt der Tiere wie die Analyse von historischem Material erlaubt hier zuverlässige Aussagen"
(D. Haag-Wackernagel: Die Taube , S. 207).
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